Alles Gute, Frau Wagner!

Mit dem Schuljahresende hat unsere Schule auch wieder eine erfahrene Lehrerin in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Frau Wagner unterrichtete Deutsch und Musik und war als Fachschaftsleiterin Deutsch und gemeinsam mit Herrn Benkert eine Zeit lang als Chorleiterin tätig. Nach Beendigung ihres Studiums 1982 hat die leidenschaftliche Theaterbesucherin in Arnstadt an der POS IV “Käthe Kollwitz” ihren Dienst begonnen. Seit der Gründung unseres  Gymnasiums arbeitete der große Udo-Lindenberg-Fan an unserer Einrichtung. 

Wir hatten am Ende ihrer Lehrtätigkeit noch mal die Möglichkeit, mit Frau Wagner persönlich über ihre Erfahrungen und Erinnerungen zu sprechen:

Warum wollten Sie Lehrerin werden?
Grundsätzlich konnte ich mir nur einen Beruf vorstellen, in dem ich mit Menschen arbeiten und zusammen sein kann. Schon als Schülerin mochte ich Literatur und Musik, später stellte ich es mir schön vor, andere junge Menschen auch dafür begeistern zu können. Ich selbst habe  die meisten meiner Lehrer in sehr guter Erinnerung – sie trugen sicher auch einen Teil dazu bei, dass ich mir diesen Beruf für mich gut vorstellen konnte. Alternativ hätte ich gern Germanistik studiert, was jedoch in der ehemaligen DDR kaum realisierbar war.    

Welche Fächer hätten Sie außer Ihren Fächern gern unterrichtet?
Ethik, weil ich es spannend finde zu ergründen, wie Menschen in verschiedenen Zeitaltern zusammengelebt haben und es meiner Meinung nach immer wichtiger wird, jungen Menschen das Gespür dafür zu vermitteln, dass gemeinsame moralische Werte und Normen für ein gutes Miteinander in der Welt unabdingbar sind. Vielleicht auch noch Geografie – dies mochte ich als Schüler sehr gern, es  war spannend und äußerst vielseitig.     

Was hat sich im Laufe Ihres Lehrerlebens am meisten geändert?
Aufgrund der Digitalisierung kamen viele neue Unterrichtsmethoden dazu. Als ich meinen letzten Abiturjahrgang übernahm, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass Distanzunterricht, Videokonferenzen und vieles andere zu einer neuen Herausforderung werden würden. Auch für mich persönlich bedeutete dies noch einmal lernen.
Obwohl die Technik das Lernen auch aus der Distanz ermöglicht, bin ich fest davon überzeugt, dass persönliches Miteinander zwischen Lehrern und Schülern auch zukünftig durch nichts zu ersetzen sein wird.          

Welche Eigenschaft zeichnet einen guten Lehrer für Sie aus?
Einen guten Lehrer zeichnet aus, dass er seine Arbeit gern macht – trotz aller Unwägbarkeiten und Ärgernissen sollte er seine Schüler und das, was er tut, mögen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, authentisch zu bleiben und anderen mit Respekt und Toleranz zu begegnen. Natürlich sollte ein Lehrer Kompetenz in seinem Fachgebiet besitzen.

Was haben Sie besonders gern als Lehrerin gemacht?
Ich habe mich bemüht, den Schülern zu zeigen, wie wunderbar es sein kann, in die Welt der Bücher und des Theaters einzutauchen, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie schön unsere Sprache sein kann. Wenn Schüler eigene Erfahrungen in Literatur wiederfanden, gern gemeinsam gelesen oder rezitiert haben, war das für mich eine besondere Freude.

Auf welche Aufgabe hätten Sie gerne verzichten können?
Auf jegliche Verwaltungsarbeit, die besonders oft von Klassenleitern gefordert wird, hätte ich verzichten können.   

Was haben Sie Ihren Abiturienten gesagt, bevor Sie sie in das Leben entlassen haben?
Das, was ich den Abiturienten gesagt habe, kann man in der Abizeitung nachlesen. Kurz zusammengefasst:
Bleibt euch treu, lebt  eure Träume und vergesst nie, dass Empathie und Das Miteinanderreden wichtiger sind als jeglicher digitaler Fortschritt.

Welches Ereignis bzw. welchen Moment werden Sie nie vergessen?
Da gibt es einige – die wichtigsten Momente meines Lebens haben nichts mit meiner Arbeit zu tun.

Was wünschen Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen für ihre Zukunft?
Natürlich wünsche ich meinen Kolleginnen und Kollegen für die Zukunft vor allem Gesundheit, persönliches Glück und Wohlergehen. Ich glaube, dass es nur gemeinsam gelingen wird, die immer größer werdenden Herausforderungen unseres Berufs zu bewältigen. Lachen und Freude sollten dabei nicht auf der Strecke bleiben.      

Worauf freuen Sie sich am meisten in Ihrem verdienten Ruhestand?
Ich freue mich auf viele Dinge. Es wird sehr schön sein, endlich mehr Zeit zu haben für meinen Lebenspartner, für meine große bunte Patchwork-Familie, für meine Enkel und natürlich für mich und meine Hobbys …
Jetzt kann ich endlich alle Bücher lesen, die auf meiner Liste stehen, Kulturveranstaltungen auch wochentags besuchen ohne an den nächsten Morgen in der Schule denken zu müssen, nicht in den Ferien verreisen zu müssen, vielleicht im Bach-Chor singen, wieder Klavier spielen, vielleicht eine neue Sprache lernen…

Wir sagen DANKE und wünschen alles Gute.