Vom Suchen und Finden – Kunstfahrt 2021

Eine spannende und entspannte Projektfahrt des Kunstkurses eA22

Der Kuhstall – man betritt den ersten Werkstattraum und hat den Eindruck, jeder macht was er will: Auf dem Boden liegen Eichenholzspäne, die sich ihren Platz mit Skizzenblättern, Spraydosen, Stiften und Bohrern teilen. Dann sind da noch einige Schüler, die zwischen all dem Gewirr aus großen Holzklötzen und Brettern kleine, individuelle Kunststücke sägen, schleifen, schnitzen und verzieren. Es riecht nach Holz, Orangenöl und Spray. Im Hintergrund, im Saal des Kuhstalls, ertönen die Klänge des Orchesters, welches fleißig seine Werke probt …

Die anderen im Nachbarraum dagegen sind ordentlicher. Mit kleinen Radiernadeln zeichnen sie mit hoher Präzision und Geschicklichkeit Schraffuren in die polierte, glatte Oberfläche einer Kupferplatte. Vorher wurde diese bereits mittels einer Feile abgerundet, facettiert und geglättet sowie vor Säureeinwirkung während der verschiedenen Stufen der Ätzradierung geschützt. Im anschließenden Verlauf wird die Platte noch mehrfach bearbeitet. Nachdem die Vielzahl der Vorbereitungen abgeschlossen ist, wird die Druckerfarbe sorgsam in die Vertiefungen eingearbeitet und die Oberfläche wieder gesäubert. Dann kann endlich der Druck erfolgen. Dazu wird die Platte mit dem (feuchten) Druckpapier bedeckt und mit einer Oberwalze unter hohem Druck auf ein Blatt spiegelverkehrt übertragen – ein Meisterwerk ist damit vollendet.

All dies geschieht in Halbgruppen der 13 Schüler. Die Aquatinta begleitet Veith Vollbrecht, ein erfahrener künstlerischer Mitarbeiter des Kunsthofs Friedrichsrode. Florian Schmigalle ist ein Thüringer Künstler, welcher durch seine individuellen Holzskulpturen bekannt ist. Er leitet die Gestaltung der Figuren. Seine optimistische und fröhliche Art wirkt ansteckend. Mit seiner Fachkompetenz gibt er viele handwerkliche Tipps und Tricks zur Holzbearbeitung weiter – und inspiriert so zu eigenen Gestaltungsideen.

Innerhalb des Zeitraums vom 15.11. bis 19.11.2021 lernten hier die Schüler des Leistungskurses Kunstr des Staatlichen Gymnasiums MELISSANTES Arnstadt, dass die Kunst nicht eindeutig definierbar ist, sondern viele Facetten und Freiheiten bietet. Jegliche Sorgen und Zweifel erscheinen kleiner und werden immer mehr losgelassen. Eine neue Art des kreativen Denkens bildet sich in den Köpfen der Schüler. Grenzen verwischen zugunsten der Ideen. Es ist freigestellt – egal ob Acryl- oder Aquarellmalerei, Zeichnungen mit Bleistift oder Kohle, Fotografieren von Skulpturen, Formen mit Ton oder doch lieber nur einen Spaziergang durch das kleine, geschichtlich geprägte Örtchen machen – jedem ist seine Auslegung des Wortes Kunst selbst überlassen.

Alle suchen und finden so eigene Ausdrucksformen – alle sind stolz, endlich mal wieder sie selbst sein zu können!

Frau Rommel, Kunstlehrerin