Exkursion nach Buchenwald

Ein Ort, an dem 56000 Menschen ihr Leben verloren

„Vernichtung durch Arbeit“ – dies stand laut Stefan Winzer, einem Guide im KZ Buchenwald, auf der Tagesordnung. So auch im Steinbruch, welcher die mit Abstand schlimmste Arbeitsstelle für die Gefangenen war. Stundenlang mussten sie auch unter schlechtesten Bedingungen Steine zerkleinern und diese so schnell wie nur möglich ins Lager tragen. Aber egal, was sie taten – immer war es falsch. Über diese und weitere Maßnahmen der Schikanen an Juden, politischen Gegnern, Homosexuellen und weiteren Opfern erfuhr die Klasse 10a in der Gedenkstätte des KZ Buchenwald.

Schon als die Klasse das Gelände betrat, machte sich eine bedrückende Stimmung breit. Irgendwie fühlten sich alle ein wenig unwohl – an einem Ort, an dem über 260000 Menschen ihre Würde und knapp 56000 sogar ihr Leben verloren. Besonders schockierte die Schüler der Anblick der grausamen Tötungsmethoden, wie z.B. die Genickschussanlage im ehemaligen Pferdestall, welcher zu einer vermeintlichen und in jedem Falle tödlichen Arztpraxis umfunktioniert wurde. Das Opfer dachte, man würde nur seine Körpergröße messen, jedoch wurde ihm nur einen Moment später ins Genick geschossen. Allein in dieser Anlage mussten schätzungsweise bis zu 8000 Menschen ihr Leben lassen.

Während der Einführung durch Herrn Winzer wurden wir Jugendlichen langsam an die Grausamkeiten der Auslöschung von Juden, politischen Gegnern, Kriminellen, Zeugen Jehovas, „Asozialen“ und Homosexuellen heran geführt. Er zeigte uns Bilder von den Zuständen im Lager, Zeichnungen von Gefangenen und Propagandamaterial der SS. Die meisten waren ziemlich erschrocken darüber, dass so viele grausame und verächtliche Taten gerade von den Bürgern Weimars einfach so hingenommen und nicht weiter hinterfragt wurden. Während die Gruppe über das riesige Gelände lief, war es ziemlich still. Niemand traute sich so recht, irgendetwas zu sagen – zu schrecklich waren die Eindrücke.

Als die Klasse zum Krematorium kam, erfuhren wir, dass selbst nach dem Tod der Gefangenen ihre Erniedrigung weiterging. Eigentlich war und ist es nach wie vor verboten, einen verstorbenen Menschen im offenen Feuer zu verbrennen. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass das Feuer unter der eigentlichen „Verbrennungskammer“ brennt und es die Kammer darüber erhitzt, sodass der Sarg von selbst anfängt zu brennen. Im KZ Buchenwald hingegen wurden die Toten, meist sogar nicht allein, sondern bis zu sieben gleichzeitig, einfach ins offene Feuer des Ofens gelegt und verbrannt. Ohne irgendeine Form von Respekt oder Würde.

Unser Guide erzählte auch, dass im Grunde alles, was irgendwie zu Geld gemacht werden konnte, verkauft wurde. Zum Beispiel wurden den Leichen Organe entnommen, um sie zu Forschungszwecken zu verwenden. Außerdem wurden ganze Körper an Universitäten und Hochschulen verkauft, um Studenten die Möglichkeit zu bieten, sich an einem echten Menschen auszuprobieren. Des Weiteren ranken sich Mythen darum, dass aus der Haut der Verstorbenen Lampenschirme hergestellt wurden. Dies ist allerdings nicht mit hundertprozentiger Sicherheit belegt.

Unter dem Krematorium befand sich ein Raum, in dem man Gefangene wie an Fleischerhaken aufgehangen hat. Statt sie so zu erhängen, dass sie an einem Genickbruch sterben, hat man die Häftlinge langsam und qualvoll an der Wand hängend ersticken lassen, bevor man auch sie einfach in den Ofen warf. Nicht jeder wollte diesen Raum des Todes betreten – zu grausam war die Vorstellung, dass in diesem Raum Menschen getötet wurden.

Am Ende der Führung schauten wir uns noch die Gedenkplatte an, welche an die Opfer des Konzentrationslagers erinnern soll. Ohne nachzudenken fassten einige der Schüler die Platte an, wobei sie sich unbewusst vor den Opfern „niederknieten“ und ihnen so Respekt zollten. Herr Winzer wies die Klasse darauf hin, dass die Platte konstant auf ca. 37°C geheizt wird, was die menschliche Körpertemperatur repräsentieren soll.

Schreckliche Taten wie die im KZ Buchenwald sollten uns allen die Augen öffnen, jedoch tun sie dies bei einigen Menschen nicht. Stattdessen wählen deutsche Bürger Politiker in den Bundestag, welche den Holocaust und das NS-Regime als „Vogelschiss in 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ bezeichnen. Und so fragt man sich: Ist die Vergangenheit wohl doch etwa die Zukunft?

Laura Preißer, Larissa Schmidt