65 Jahre Europa

Der „Elysée-Vertrag“ als Wegweiser für ein geeintes Europa

Im Rahmen der Thematik „65 Jahre Europa“ lud der Journalist Ingo Espenschied die Schüler der Jahrgangsstufe 11 unseres Gymnasiums am 25. Januar 2018 zu einer Zeitreise hinsichtlich der deutsch-französischen Geschichte ein. Die zweistündige Vorlesung fand im Foyer statt und wurde durch den Einsatz verschiedenster Medien sehr anschaulich und interessant gestaltet. Der Referent verstand es mit seiner DOKU-Live-Präsentation, einem von ihm entwickelten Multimediaformat, uns Schülern deutsch-französische Geschichte auf besondere Art und Weise spannend zu vermitteln.

Das Ziel des studierten Politologen war es, uns auf spannende und tiefgründige Weise das geeinte Europa näherzubringen. Besonderes Augenmerkt galt dabei den deutsch-französischen Beziehungen. Dabei hinterfragte Ingo Espenschied, wo die in der Vergangenheit über Generationen hinweg gelehrte  Erbfeindschaft zwischen Frankreich und Deutschland ihren Ursprung hatte. Ein Ausblick in die Geschichte beider Nationen brachte Klarheit, denn Frankreich und Deutschland waren nicht immer verhasste Konkurrenten. Dennoch bildete der Kampf u.a. um Elsass-Lothringen, das Saarland und Ruhrgebiet wiederholtes Konfliktpotential. Erst nach Jahrhunderten der Feindschaft ist es gelungen, gute Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland aufzubauen. 

Als Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung gilt der am 22. Januar 1963 geschlossene „Elysée-Vertrag“, der die beiderseitigen Beziehungen institutionalisierte. Der französische Präsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer verpflichteten sich damals zu einer engen bilateralen Zusammenarbeit. Das Ziel der beiden Staatsmänner war es, eine unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg noch undenkbare deutsch-französische Freundschaft auf den Weg zu bringen. Keine zwei anderen Persönlichkeiten haben das Bild der deutsch-französischen Verständigung nachhaltiger geprägt als de Gaulle und Adenauer.

Durch den Elysée-Vertrag wurden konkrete Institutionen geschaffen, regelmäßige Regierungskonsultationen in allen wichtigen Fragen der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik beschlossen, die u.a. das Zusammentreffen beider Kabinette der Länder, der höheren Beamten und Militärchefs beinhalten. Auch wenn es bei diesem Vertrag primär um enge deutsch-französische Beziehungen auf Staatsebene ging, sind im Laufe der Zeit dennoch viele Freundschaften auf privater Ebene entstanden. So hat beispielsweise auch Arnstadt die französche Partnerstadt Le Bouscat in der Nähe von Bordeaux, mit der es z.B. einen intensivien jährlichen Sportleraustausch gibt.

Der Elysée-Vertrag gilt bis heute als einzigartig in den internationalen Beziehungen. Er bildet einen wichtigen Grundstein für ein geeintes, friedvolles und stabiles Europa.

Vanessa Engel im Namen der Schüler der Jahrgangsstufe 11 des MELISSANTES-Gymnasiums