/ Courage, Film, Rassismus

Die Suche nach den “Herrenmenschen”

So voll war der Rathaussaal selten. Freitagmorgen saßen dort Arnstädter Gymnasiasten und sahen den Film „Die Arier“. In ihm – und in ihrem Buch „Mo und die Arier“ geht die Regisseurin Mo Asumang der Frage nach, was hinter der Idee von sogenannten „Herrenmenschen“ steckt.

Sie begibt sich dabei zu den selbst ernannten „Ariern“ auf Demonstrationen von Rechtsradikalen in Deutschland, reist zur Volksgruppe der „wirklichen“ Arier in den Iran, trifft sich in den USA mit Rassisten des Ku- Klux-Klans. Überall konfrontiert sie Menschen, die sich als „Arier“, Nazis und Rassisten – offen oder verkappt – gerieren, mit der Frage, was „Arier“ eigentlich sind – und was sie eigentlich wollen. „Den Höcke würde ich übrigens auch mal gerne treffen und mit ihm reden“, sagte Mo Asumang gegenüber unserer Zeitung.


Im Film „Die Arier“ kommt Verblüffendes zutage: Arier sind ein uralter persischer und indischer Volksstamm. Asumang stand auch vor einer 2500 Jahre alten Inschrift von Darius I. im Iran, die Bezug auf jene Arier nimmt. So weit die schlechte Nachricht für alle deutschen Nazis. Sie und ihr Idol Hitler sind einer Mär aufgesessen: „Deutsch ist nicht arisch und arisch ist nicht rassistisch“, so Asumang in der Diskussion mit den Schülern.


Nazis und Rassisten haben Angst vor der Demokratie, sie flüchten sich in Parolen. Wie die heutigen Populisten. Was kann jeder Einzelne tun? Das wurde Asumang in Arnstadt gefragt. Er kann fragen. In den Gruppen der deutsche Neonazis, Rassisten und Populisten, des amerikanischen Ku-Klux-Klans oder auch in solchen rassistischen Gruppen wie dem sogenannten Islamischen Stadt oder Al-Qaida werden keine Fragen gestellt. Das müssen Außenstehende tun. „Und denjenigen dann auch in die Augen sehen“, so Asumang. Mit den richtigen Fragen entlarvt man sie und bringt manche von ihnen sogar erstmals zum Nachdenken. Das gelingt aber nicht immer. Oft folgt auch nur das große Schweigen oder „Hau ab, du Schlampe“. Oder Fassungslosigkeit, wenn Asumang sagt, sie sei auch in Deutschland geboren. Sie hat aber auch andere Erfahrungen gemacht: Morddrohungen, sie wurde von Nazis in einer Straßenbahn gewürgt, einer schlug ihren Kopf – als sie als Taxifahrerin in Berlin arbeitete – auf‘s Autodach. Einmal verabredete sie sich mit einem Rechten auf einer Nazi-Dating-Seite: „Der hat vielleicht Augen gemacht, als dann plötzlich eine Schwarze vor ihm stand.“ Mit ihrem Film, ihrem Buch und ihren Auftritten will sie auch ein Zeichen setzen „gegen die Provokationen à la Gauland und Höcke und wie sie alle heißen.“ Gerade heute brauche es Menschen, die ein Miteinander leben – mit allem, was dazu gehört. Und dazu braucht es manchmal auch Mut: „Auch ich hatte beispielsweise vor dem Treffen mit den Leuten vom Ku-Klux-Klan Angst.“ Aber ohne Mut funktioniere eine Demokratie eben nicht.


Artikel aus: “Thüpringer Allgemeine” vom 25.11.2017
Text und Fotos: Robert Schmidt