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Auf den Spuren deutscher Geschichte

Vom 28.08. bis 01.09.2017 begaben sich Schüler des Geschichtskurses der Klasse 11 unserer Schule und Schüler unserer Partnerschule aus Merzig im Saarland auf die Spuren deutscher Geschichte. Die 60 Schüler aus Merzig kamen am Sonntagabend in Arnstadt an und wurden zur Hälfte in Gastfamilien und zur anderen in einer Jugendherberge in Ilmenau untergebracht. Am nächsten Morgen begaben wir uns mit zwei Bussen auf den Weg nach Krakau. Nach langer Fahrt kamen wir gespannt in unserem Hotel in Polen an, bezogen die Zimmer und genossen das Abendessen.

Der Dienstag begann mit einer Führung durch die beeindruckende Stadt Krakau, bei der wir über die Geschichte und das Leben in der Stadt informiert wurden. Erwähnenswert sei hier das jüdische Viertel Kazimierz, in welchem vor dem Krieg circa 70000 Juden lebten, heute jedoch nur noch 120. Das Interesse an Kazimierz ist groß, besonders seit Steven Spielberg hier Teile seines Films “Schindlers Liste” drehte.
Den Nachmittag konnte jeder individuell verbringen und so beispielsweise den Flair der Altstadt genießen.

Am Morgen des nächsten Tages fuhren wir in das circa 60 Kilometer entfernte Stammlager Auschwitz I, welches neben dem KZ Auschwitz II – Birkenau und dem KZ Auschwitz III – Monowitz zum Lagerkomplex Auschwitz gehörte. Zu Beginn befanden sich im Stammlager etwa 20 steinerne Kasernengebäude, die als Unterkünfte für 10000, später 30000 Häftlinge dienen sollten.
In Auschwitz I wurde ein Krematorium mit Gaskammer erbaut, welches heute noch zu besichtigen ist. An diesem Ort ist zum ersten Mal das Giftgas Zyklon B “als Test” zur Tötung von 600 sowjetischen Kriegsgefangenen und 250 kranken Häftlingen verwendet worden. Ebenfalls erschreckend waren mehrere unvorstellbar große Räume, gefüllt bis an die Decke mit Haaren, Schuhen, Brillen, Koffern und anderen Gegenständen der Häftlinge. In diesem Moment werden die nüchternen Zahlen des Schulbuches zur Realität.

Am darauffolgenden Tag besuchten wir das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und waren  geschockt und fassungslos über das Ausmaß der Ermordung von Juden, Zigeunern, politischen Gegnern und vielen mehr. Circa eine Million Menschen verloren an diesem grausamen Ort durch Vergasung, Gewalt sowie durch unmenschliche körperliche Anstrengungen, Unterernährung und mangelnde Hygiene ihr Leben.
Das Lager besaß ein Größe von knapp 200 Hektar mit über 300 Baracken für jeweils 300 bis 500 Häftlinge. Viele der Baracken, vor allem die des Frauenlagers, sind heute noch original erhalten und stehen für Besichtigungen offen. Die vier Krematorien in Birkenau, dessen Verbrennungsöfen die Erfurter Firma Topf & Söhne erbaute, wurden von den SS-Männern gesprengt, um Beweise zu vernichten. An vielen Stellen im KZ wurde daher auf die Asche von verbrannten Menschen verwiesen und Gedenktafeln zur Andacht errichtet. Was die Nationalsozialisten befähigt hat, jahrelang jedes menschliche Gefühl in sich abzustellen, ist nicht zu begreifen.
Eine Überlebende hat einmal gesagt: “Nichts, was Sie gehört oder gelesen haben, nichts, was Sie sich vorstellen, kommt dem nahe, was es war.” Sehr mitgenommen von diesen Eindrücken fuhren wir am Nachmittag zurück zu unserem Hotel in Krakau und versuchten zu verstehen.

Eingangstor “Arbeit macht frei” im Stammlager

Hauptwache und Einfahrt in Auschwitz-Birkenau

Am Freitag sind wir schon zeitig Richtung Heimat abgereist. Dort angekommen, haben die Gastschüler eine weitere Nacht in ihren Gastfamilien beziehungsweise in der Jugendherberge übernachtet, wobei an diesem Abend das Arnstädter Stadtfest als Ausklang der Fahrt anstand.
Das Ziel der Fahrt bestand in dem Erstellen einer DVD mit Bildern, Gedichten und Texten über den historischen Ort Auschwitz.

Hiermit möchte ich mich im Namen aller Schüler bei unseren Lehrern Herrn Triebel und Frau Renner für die Organisation und Unterstützung bedanken. Auch Herrn Lorenz und Herrn Silvanus aus unserer Partnerschule gilt unser Dank. Ebenfalls ein großes Dankeschön an alle Familien für die freundliche Aufnahme der Gastkinder. Nicht unerwähnt sollte auch das Busunternehmen “Kiel Reisen” bleiben, die uns sicher zu unserem Ziel brachten. Die Reise war für alle eine wichtige Erfahrung und wird allen Schülern in Erinnerung bleiben.

Joelle Pöpl